Selbstwert beginnt dort, wo du dich nicht mehr versteckst
- vor 6 Tagen
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Du trinkst den grünen Smoothie, der aussieht wie frisch gemähter Rasen und auch so schmeckt. Du gehst diesen Monat zum dritten Botox-Lippentermin. Du kaufst das neue Darmreinigungsprogramm, das diesmal wirklich wirkt.
Und ganz ehrlich: Wonach suchst du eigentlich? Nach glatterer makelloser Haut mit Mitte 30? Oder danach, dich endlich genug zu fühlen?
Du hast die Story von gestern Abend gepostet. Die mit dem Aperol Spritz in der Hand und dem Lachen, das echt war. Vier Minuten später hast du sie wieder gelöscht.
Warum? Weil du beim zweiten Hinschauen nur noch die Wabbelarme gesehen hast. Oder vielleicht Den Bierbauch. Doch die Lachfalten, die auf dem Bild plötzlich lauter waren als das Lachen selbst.
Also weg damit, bevor es jemand sieht, so wie du es gerade gesehen hast.
Am nächsten Tag fragt dich jemand, wie es dir wirklich geht. Du sagst „gut", mit derselben Stimme, mit der du auch „passt schon" sagst, wenn nichts passt.
Nennen wir das Kind beim Namen: Das ist kein Zufall, kein Charakterfehler und schon gar keine gesunde Routine.
Das ist eine gut einstudierte Strategie, dich selbst zu verkleinern, bevor es jemand anderes tun muss. Und die Oberfläche zu polieren, weil du innen nicht hinschauen willst.
Genau davon handelt dieses Video, bevor es hier weitergeht.
Warum sich Grenzen zuerst falsch anfühlen
Vielleicht kennst du das Gefühl direkt danach. Diese kurze Schrecksekunde, nachdem du einen Satz stehen gelassen hast, statt ihn zurückzunehmen. Das ist kein Zeichen dafür, dass du zu weit gegangen bist. Das ist dein Nervensystem, das Alarm schlägt, weil du etwas Ungewohntes getan hast: dich gezeigt, ohne Verpackung.
Der Shake repariert nichts, was er nicht kaputt gemacht hat
Bleiben wir kurz bei der grünen Plörre und den Kosmetikterminen, weil sich dahinter etwas ziemlich Ehrliches versteckt.
Niemand kauft sich das dritte Wellnessprogramm, weil das erste so gut funktioniert hat. Man kauft das nächste, weil das letzte angeblich nichts gebracht hat. Also die nächste Creme. Die nächste OP. Das nächste Tattoo, dessen Bedeutung die meisten selbst kaum noch erklären können, außer: Es sieht cool aus und macht mich besonders. Die dritte Spritze ins Gesicht, damit niemand deine 33 Jahre bemerkt, weil du dir insgeheim sagst, du siehst schon zu alt aus.
Das ist keine Selbstfürsorge. Das ist eine Sucht mit besserem Image. Botox, der nächste Drink, das nächste Nahrungsergänzungsmittel, die Bestätigung von außen: Der Mechanismus dahinter ist immer derselbe. Etwas soll von außen reparieren, was sich innen nicht gut genug anfühlt. Nur bekommst du für diese Sucht Komplimente statt besorgte Blicke.
Und hier wird es unbequem: Die Haut, die Maße, die Ausstrahlung waren nie das eigentliche Problem.
Das Problem ist der Satz, den du dir nicht eingestehst: Ich bin, so wie ich bin, nicht genug.
Diesen Satz löst keine Behandlung der Welt.
Die Wurzel liegt nicht in der Haut. Nicht in deinem Viszeralfett.
Sie liegt darin, wie du mit dir selbst umgehst, wenn niemand hinschaut.
Woher das eigentlich kommt
Niemand wird mit dem Gefühl geboren, nicht genug zu sein. Das lernt man. Selten durch das, was einem gesagt wurde. Meistens durch das, was man gesehen hat.
Psychologen nennen das Lernen am Modell. Kinder übernehmen nicht in erster Linie, was man ihnen erklärt. Sie übernehmen, was ihnen vorgelebt wird. Eine Mutter, die sich im Spiegel kritisch mustert und seufzt. Ein Vater, der Zuneigung an Leistung koppelt. Ein Zuhause, in dem man Aufmerksamkeit bekam, wenn man funktionierte, aber übersehen wurde, wenn man einfach nur da war. Daraus lernt ein Kind sehr zuverlässig: Ich bin wertvoll, wenn ich liefere oder gefalle. Nicht: Ich bin wertvoll, weil es mich gibt.
Das ist keine Entschuldigung. Es ist eine Erklärung.
Der Unterschied ist entscheidend: Du hast dir diesen Mechanismus nicht ausgesucht. Aber du bist heute alt genug, ihn zu erkennen und etwas anderes vorzuleben, dir selbst zuerst.
Was sich in der Praxis wirklich verändert
In meiner Arbeit mit Klientinnen und Klienten sieht der Weg dahin fast immer gleich aus. Zuerst sehen wir gemeinsam das Muster, ohne es sofort zu bewerten. Dann verstehen wir, woher es kommt, meistens aus genau solchen frühen Geschichten. Erst wenn das wirklich verstanden ist, wird eine Entscheidung überhaupt möglich. Nicht vorher.
Verändern heißt dann oft: sich dafür entscheiden zu können, ein Stück freier zu leben.
Ohne die nächste Creme, weil die letzte angeblich nichts gebracht hat.
Ohne die nächste OP.
Ohne das nächste Tattoo, das nur noch besonders machen soll.
Ohne die nächste Botox-Spritze, den nächsten Drink, das nächste Mittelchen, die nächste Bestätigung von außen.
Frei nicht von diesen Dingen selbst, sondern von der Überzeugung dahinter, dass du sie brauchst, um genug zu sein.
Wenn du diesen Fragen lieber in Ruhe und schriftlich nachgehst: Genau da setzt das Workbook 100 Fragen zurück zu dir – wer du wirklich bist an, bei der Frage, wer du eigentlich bist, wenn du gerade nichts reparierst.
Selbstwert ist kein Gefühl, das irgendwann auftaucht
Die meisten Menschen warten auf einen bestimmten Moment: Wenn ich mich erst gut genug fühle, höre ich auf, mich ständig zu optimieren. Der Moment kommt nicht aus der nächsten Creme, dem nächsten Kosmetiktermin oder dem nächsten Shake.
Er kommt auch nicht einfach so.
Selbstwert ist kein Gefühl, das eines Tages ankommt wie eine Lieferung von Zalando, die man nur oft genug bestellt hat.
Selbstwert ist das, was zwischen dir und dir passiert, wenn niemand zuschaut. Der Satz, den du zu Ende sprichst statt ihn runterzuschlucken.
Die Grenze, die du ziehst, ohne eine Rechtfertigung hinterherzuschieben. Nicht das Gefühl davor. Das Verhalten selbst.
Niemand zerbricht an deiner Grenze
Deine Chefin übersteht ein Nein. Deine Mutter übersteht eine andere Meinung als ihre. Nur du scheinst zu glauben, beide würden daran zerbrechen. Genau das ist die eigentliche Pointe: Das Versteckspiel schützt schon lange nicht mehr die anderen. Es schützt nur noch dich vor der Angst, abgelehnt zu werden.
Den Preis dafür zahlt zuerst niemand außer dir selbst.
Du wirst dir fremder, je öfter du dich verkleinerst oder polierst, um zu gefallen.
Wenn du wissen willst, wie sich das in Beziehungen zeigt, in denen man sich lieber anpasst, als etwas zu riskieren, findest du dazu mehr in Warum du dich kleiner machst, damit andere bleiben.
Wer stark sein musste, versteckt sich anders
Nicht jeder versteckt sich durch Rückzug oder Rasenmäher-Smoothies. Manche verstecken sich hinter Kompetenz. Hinter dem Satz „Ich schaff das schon". Hinter der Rolle, die in der Familie immer funktioniert hat, egal wie es ihr selbst dabei ging.
Das ist derselbe Mechanismus in einem anderen Kostüm. Nur schwerer zu erkennen, weil er von außen wie Stärke aussieht und nach innen wie Erschöpfung. Mehr dazu in Wenn Stärke zur Falle wird, falls dir das bekannter vorkommt als das Zurückziehen.
Der Satz, den du diesmal nicht zurücknimmst
Verändern heißt hier nicht: Werde über Nacht durchsetzungsfähig, oder wirf morgen alle Cremes weg. Das würde dir ohnehin niemand abnehmen, am wenigsten du selbst.
Verändern heißt: ein Satz, den du diese Woche nicht relativierst. Eine Meinung, die stehen bleibt, auch wenn kurz Stille im Raum ist. Ein Nein ohne die drei Ausreden hinterher. Klein, konkret, unbequem. Genau deshalb wirkt es zuverlässiger als jede grüne Plörre-Kur.
Was passiert, wenn Menschen aufhören, sich zu verstecken
In meiner letzten therapeutischen Gruppe habe ich das immer wieder gesehen. Wenn ich alle Rückmeldungen zusammenfasse, fällt etwas auf: Kaum jemand schreibt über Techniken oder Übungen. Die Menschen schreiben über etwas anderes.
„Ich muss nicht immer funktionieren."
„Als ich ganz laut Nein gesagt habe."
„Ich bin okay, wie ich bin."
Keine großen Worte.
Aber Momente, in denen jemand aufgehört hat sich zu verstecken und trotzdem nicht verloren gegangen ist. Im Gegenteil.
Im Kern ist es immer dasselbe: Menschen hören auf, gegen sich selbst zu kämpfen.
Wenn du spürst, dass das gerade auch dein Thema ist, kannst du dich unverbindlich in die Interessenliste für den nächsten Gruppenprozess eintragen. Hier geht es zur Warteliste.
Falls du erst für dich abklopfen willst
Nicht jeder ist sofort bereit für eine Gruppe. Manchmal reicht es zuerst herauszufinden, wie tief der Funktionsmodus bei dir sitzt. Dafür gibt es einen ehrlichen Selbsttest: Zum Funktionstest.
Selbstwert beginnt nicht mit einem Gefühl
Er beginnt an dem Tag, an dem du aufhörst zu warten, bis du dich stark genug fühlst oder glatt genug bzw. faltenfrei aussiehst. Er beginnt an dem Tag, an dem das Bild mit den Wabbelarmen und dem Aperol Spritz einfach online bleibt, weil dir die Lachfalten wieder wichtiger sind als der Bauch.
Wenn du dranbleiben willst, ohne auf den nächsten Blogartikel zu warten: Jeden Montag schicke ich einen kurzen Impuls raus, der genau bei solchen Momenten ansetzt. Hier geht's zum Impuls der Woche.
Nicht alles wird sofort klar, nur weil man es verstanden hat.
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Manchmal genügt ein einziger Gedanke, um etwas in Bewegung zu bringen. Genau dafür gibt es meinen Impuls der Woche, jeden Montag. Es gibt kurze Anregungen, Handlungsimpulse für dich und dein Leben, Reflexionsfragen und stärkende Gedanken, die dich regelmäßig daran erinnern, bei dir selbst anzukommen.
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Ganz ohne Informationsflut – nur dann, wenn es wirklich etwas zu erzählen gibt.

📌 Disclaimer
Dieser Artikel dient der Aufklärung und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.
Bitte wende dich bei starken oder anhaltenden Symptomen an eine:n Fachärzt:in oder approbierte:n Psychotherapeut:in.
Ich begleite dich im Rahmen meiner Zulassung als Heilpraktikerin für Psychotherapie mit einem klaren Fokus auf Verbindung, Stabilität und ganzheitlicher Begleitung.
📞 In akuten psychischen Krisen erreichst du den psychiatrischen Krisendienst unter 0800 – 655 3000 (kostenfrei und rund um die Uhr).Weitere Infos unter: www.krisendienste.bayern








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